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Geglückter Sprung auf den Arbeitsmarkt. Robin Thomeh macht eine Ausbildung zum Lagerfachhelfer

Westfalen/Herford (lwl). Beschäftigten den Übergang aus einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen, ist ein wichtiges Ziel des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Das Beispiel von Robin Thomeh zeigt, wie das LWL-Inklusionsamt Arbeit gemeinsam mit verschiedenen Akteur:innen dafür gesorgt hat, dass die Loewe Logistics & Care GmbH in Herford und der Auszubildende Robin Thomeh zueinander gefunden haben. "Unternehmen profitieren davon doppelt: Sie erhalten loyale Arbeitskräfte und finanzielle Unterstützung aus dem LWL-Budget für Arbeit", sagt LWL-Sozialdezernent Matthias Münning.

Thomeh kam mit einer Hirnfehlbildung zur Welt, die ein Krampfleiden mit Aufmerksamkeitsstörung mit sich brachte. Nachdem er die Schule ohne Abschluss verlassen hatte, kam er im Jahr 2008 zunächst in berufsbildende Maßnahmen von proWerk Bethel in Bielefeld und später in die dortige Werkstatt für behinderte Menschen. Von dort wechselte der junge Mann 2015 auf einen Arbeitsplatz der proWerk-Außenarbeitsgruppe auf dem Betriebsgelände der Loewe Logistics & Care GmbH in Herford.

Schon bald schaute Thomeh über seinen Arbeitsbereich hinaus und lernte Beschäftigte des Logistik-Unternehmens und die dortigen Arbeitsabläufe besser kennen. So wuchs in ihm der Wunsch, in dem Betrieb eine Ausbildung zu absolvieren. Michael Schulte vom Integrationsfachdienst (IFD) Bielefeld nahm sich des Falles an: "Ich war schnell von seinem Potenzial überzeugt", so der Sozialarbeiter. Bei der Ausbildungsbeauftragten Ingrid Milse und bei Loewe Logistics-Geschäftsführerin Kerstin Liefting stieß er auf offene Ohren. "Die Zusammenarbeit mit proWerk Bethel ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten. In den Werkstätten schlummert viel ungenutztes Potenzial, das dem ersten Arbeitsmarkt verloren geht. Und wir gewinnen dadurch sehr treue Mitarbeiter:innen", so Liefting.

Nachdem eine Bielefelder Psychologin seine Ausbildungsfähigkeit bescheinigt hatte, startete Thomeh im August 2021 eine zweijährige Ausbildung zum Lagerfachhelfer. Den schulischen Teil seiner Ausbildung absolviert er auf dem Kerschensteiner Berufskolleg in Bethel. Aller Voraussicht nach wird er im Sommer 2023 seine Ausbildung erfolgreich abschließen - mit der Perspektive, danach vom Betrieb übernommen zu werden.

Damit Thomeh seine Ausbildung erfolgreich durchlaufen kann, arbeiten verschiedene Akteur:innen zusammen: Der Sozialarbeiter Schulte ist aktuell der Hauptansprechpartner für ihn, wenn es um lebenspraktische Dinge wie behördliche Schreiben oder Anträge geht. Schulte fungiert als Bindeglied zwischen der Berufsschule und dem Betrieb und regelt die Kommunikation mit dem LWL.

Das LWL-Inklusionsamt Arbeit unterstützt die betriebliche Ausbildung mit einem Ausbildungszuschuss aus dem LWL-Budget für Arbeit. Einmal pro Woche geht ein Nachhilfelehrer mit Robin Thomeh den aktuellen Lernstoff durch. Ein ambulanter Betreuer schaut zweimal im Monat bei ihm vorbei, einmal wöchentlich telefonieren die beiden miteinander.

"Dieses Beispiel aus der Praxis zeigt, dass das Zusammenspiel verschiedener Beteiligter, wie Unternehmen und Werkstatt, Integrationsfachdienst und LWL sowie Berufsschule und ambulante Begleitung ein tragendes Netz von Unterstützungen bildet, das Menschen mit Behinderung eine Zukunft auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eröffnet", sagt Münning. "Auf wen es aber vor allem ankommt, ist Robin Tohmeh. Er hat mit all seinen Fähigkeiten und seiner Motivation die Unterstützung genutzt und somit vor allem selbst dafür gesorgt, dass er heute sagen kann, dass er mit seinem Leben gut klarkommt."


Hintergrund
Die Zusammenarbeit zwischen proWerk Bethel und Loewe Logistics hat Tradition. Seit 2009 hat das Unternehmen schon mehrfach Mitarbeiter:innen bzw. Auszubildende aus der Außenarbeitsgruppe rekrutiert: "Der Arbeitsmarkt in der Logistikbranche ist leergefegt, und wir freuen uns über jeden von proWerk, den wir in ein festes Verhältnis übernehmen können. Nicht nur aus sozialer Verantwortung, sondern auch mit einem klaren unternehmerischen Nutzen", sagt Loewe-Geschäftsführerin Liefting.

Das Engagement brachte dem Unternehmen 2020 den CSR-Sonderpreis im Bereich Inklusion ein. Der CSR-Sonderpreis wird von der Initiative für Beschäftigung OWL e.V. und der GILDE Wirtschaftsförderung Detmold im Rahmen des CSR-Kompetenzzentrums OWL an kleine und mittlere Unternehmen verliehen, die sich auf unterschiedlichen Gebieten besonders engagieren.

Das LWL-Budget für Arbeit unterstützt den Übergang von Beschäftigten aus dem Arbeitsbereich einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Unterstützung erhalten auch Personen, die die Aufnahmevoraussetzungen für eine WfbM erfüllen, jedoch den eigenständigen Weg in den allgemeinen Arbeitsmarkt einschlagen möchten.

Bei Fragen zum LWL-Budget für Arbeit können sich Interessierte an Eliana Broosch, Tel.: 0251 591 8364 wenden, bei Fragen zur Begleitung durch den Integrationsfachdienst (IFD) in Bielefeld/Gütersloh an Jens Berger, Tel.: 0521 144 4150.

 

Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
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